Bis oben hin abgefüllt mit Traurigkeit saß ich am Ufer des Flusses und betrachtete das Wasser, das wie flüssige Jade die Felsen überfiel und wieder frei gab. Die Regelmäßigkeit dieses wilden Tanzes spendete mir den Trost, den Worte nicht zu geben vermögen, in den Tagen in denen man einen seiner besten Freunde verloren hat. Dieses sich stetig wiederholende Schauspiel erklärt ohne große Ausschweifungen die Ewigkeit und die Vergänglichkeit, ohne dass auch nur ein Wort zu sprechen nötig wäre.
Obwohl ich beim Zusammenstoß beider Fahrzeuge nicht dabei war, ja – ich war nicht einmal im Land, legen sich meine Erinnerungen an Mexiko wie Schablonen über die Vorstellung, die mein Hirn von jener Nacht produziert. Wie ein unsichtbarer Beobachter stehe ich am Straßenrand, ungehört meine Schreie. Unfähig zu helfen, bin ich entsetzter Zuschauer – allerdings einer, der das tragische ende dieser Geschichte bereits kennt.
Meines Freundes nicht zu bezwingender Gegner in diesen Stunden und Tagen vor genau einem Jahr war die Zeit.
Viel zu lange dauerte es, bis jemand einen Krankenwagen rief. Die korrupten Polizisten, die dann den Abtransport verzögerten, um möglichst viel für sich herauszupressen. Die zögerlichen Ärzte, das viel zu spät reagierende Nachtschichtpersonal bei seinem Atemstillstand. Diesen Kampf gegen die verstreichende Zeit konnte er nicht gewinnen.
Als hätte er tief in seinem Inneren gewusst, dass es eines Tages die Zeit sein wird, die ihm davon fliegt, hat er sein kurzes Leben mit allem angereichert, was es herzugeben in der Lage ist. Die warme Sonne Mexikos, die schönen Frauen, die Strände der Karibik, ausschweifende Partys, und sein Lachen, sein ewiges Lachen.
Selbst beim Abschied seiner Familie am Totenbett trug er ein Lächeln. So als wäre dies eine letzte, tröstende Geste an uns Hinterbliebene, dass er noch genug Zeit gefunden hatte, alles richtig zu machen.
Letzten Endes hatte er wohl doch noch den Kampf gegen die Zeit gewonnen.
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Mit Tag(s) versehen: Freunde, Tod, Trauer
Lautlos nähert sich die Wolkenarmee in gepanzertem Grau. Aufgetürmt, wie dunkle Kathedralen, als wolle sie die Welt erdrücken. Der Wind erstarrt ehrfurchtsvoll, verliert plötzlich seinen Ton. Das Singen der Vögel verstummt. In böser Ahnung verharren sie, an Äste fest gekrallt, ahnend dessen was da kommen wird.
Mit drohendem Fackelschein rücken immer neue Legionen auf. Erste Regentropfen bilden die Vorhut. Nun erhebt der Wind die Stimme. Alles wird in Schatten getaucht. Brodelndes Donnern aus der Ferne. Blätter, Zweige, Papierfetzen, tanzen aufgewirbelt wild umher. Winde kämpfen sture Bäume nieder, ringen zäh mit jedem Widerstand. Weiße Blitze erleuchten den Horizont, eskortiert von krachendem Trommelschlag.
Jetzt entlädt es sich mit aller Wucht. Ein Bombardement aus metallenen Tropfen. Kalte Himmelsfracht spült jede Straße, duscht jedes Haus. Sturzbäche tragen alles Falsche hinfort. Jetzt ist jeder gleich: die Mächtigen ohne Macht, die Starken schwach. Jede Lüge hat sich versteckt, das Unrecht verharrt, Betrug wird ertränkt. Zuckende Lichter, elektrischer Sturm. Für einen Moment ist alles echt.
Der Sturm verstummt allmählich, das Flackern der Blitze erlischt. Der helle Tag beleuchtet das Schlachtfeld. Kalte Luft steigt auf, während die letzten Tropfensoldaten fallen. Alles ist in friedlichen Nebel getaucht. Rein und befreit. Ein kurzer Triumph.
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Alles hat seinen Preis. Bei Beziehungen ist das so. Du bekommst etwas, und musst dafür etwas geben.
Man bekommt Freundschaft, Zärtlichkeit, Intimität, Verbundenheit, vielleicht sogar Liebe.
Der Preis dafür ist, Verzicht, Opferbereitschaft, Anstrengung, Kompromissbereitschaft, und vielleicht sogar Liebe.
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Oder etwa nicht? Mein Gott, wir haben noch zweieinhalb Monate, das ist doch nichts mehr. Wir tragen bereits die Termine für allerhand Weihnachtsfeiern in unsere Kalender ein. Wir beschäftigen uns schon mit den Geschenken für unsere Liebsten und versuchen uns daran zu erinnern, was wir dieses Jahr eigentlich alles erledigt haben wollten. Zeit für ein vorzeitiges Resümee.
Von den Vorsätzen, die ich mir vorgenommen hatte, habe ich lediglich die Tatsache des weiter-rauchen-Wollens eingehalten. Das war wirklich schwer! Vor allem in Zeiten großflächiger Anti-Raucher-Kampagnen. Ansonsten lege ich seit Mitte des Jahres eine erstaunliche Disziplin an den Tag, um der altersbedingten Erschlaffung meiner Muskulatur entgegen zu wirken. Das schwerwiegenste Ereignis des Jahres war der Unfalltod eines sehr guten Freundes. Tja, und sonst so? Ich habe versucht mit mir so gut wie möglich in harmonischem Einklang zu leben und viele Dinge zu genießen. Dass die Welt ein Hort voller Scheiße ist, war ja nun wirklich keine neue Erkenntnis – man muss halt das Beste draus machen. Mal ehrlich: Nehmen wir die derzeitige Finanzkrise, die vielen Menschen von heute auf morgen den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Haus weg, Job weg, ab heute darf man in einem Zelt leben. Natürlich tun einem diese Leute leid. Aber wirklich bedauern kann man sie doch eigentlich nicht, oder? Wer hat schließlich diese blinden Politiker gewählt? Und wer hat diesen gierigen Managern nur allzu gerne alles glauben wollen? Wer beteiligt sich denn Tag für Tag an diesem Konsumkarussel, will den neuesten Wagen, das aktuellste Handy, den iPod plus Flachbildfernseher? Wer hat denn den Banken nur allzu gerne geglaubt, alles auf Pump zu kaufen stellt gar kein größeres Problem dar? Das waren doch wir! Und eines ist sicher: Lernen werden wir auf absehbare Zeit aus all dem nichts – dies ist eine verlässliche Größe.
Ich setz’ mich jetzt wieder auf meinen Balkon, betrachte meine Pflanzen und die Vögel, lasse mich von den Sonnenstrahlen wärmen, und rauche mir eine Zigarette.
Kategorien: Jahreszeiten
geb. 26. Januar 1925 ~ gest. 26. September 2008
Eines der wenigen Kindheitsidole, die ich hatte, ist tot.
Paul Newman war, neben Steve “Bullitt” McQueen, genau der Typ Schauspieler, den ich fantastisch fand. Wenn ich jemals wie jemand anderes hätte aussehen wollen, ich hätte mich das Aussehen von Paul Newman entschieden.
Du merkst, dass du alt wirst, wenn die Helden deiner Kindheit sterben. Newman war ein Hollywoodstar ohne Skandale, nicht abgehoben, und ein richtiger Typ, von denen es heute kaum noch welche gibt. Schön, dass er ein erfülltes Leben leben durfte. Trotz aller Trauer über diesen Verlust, ich freu mich auf all die Wiederholungen seiner Filme. Mach’s gut Paul, Du bist in bester Gesellschaft.
Kategorien: Geschichte · Kino
Such is the way of the world
You can never know
Just where to put all your faith
And How will it grow?
Gonna rise up
Burning black holes in dark memories
Gonna rise up
Turning mistakes into gold
Such is the passage of time
Too fast to fold
Suddenly swallowed by signs
Lo and behold
Gonna rise up
Find my direction magnetically
Gonna rise up
Throw down my Ace in the Hole
(lyrics by eddie vedder)
Kategorien: inside

Wenn Menschen so viel Mut auf die Welt mitbringen, muss die Welt sie töten, um sie zu brechen, und darum tötet sie natürlich. Die Welt zerbricht jeden, und nachher sind viele an zerbrochenen Stellen stark.
Aber die, die nicht zerbrechen wollen, die tötet sie.
Sie tötet die sehr Guten und die sehr Feinen und die sehr Mutigen; ohne Unterschied.
Wenn du nicht zu diesen gehörst, kannst du sicher sein, dass sie dich auch töten wird, aber sie wird keine besondere Eile haben.
Ernest Hemingway
( In einem fernen Land)

Kategorien: Literatur · Tod
Das vergangene Wochenende war irgendwie unwirklich. Die Beerdigungszeremonie, angefangen vom Gottesdienst bis hin zur Trauerfeier, war Hölle und Himmel zugleich. Einerseits war es unfassbar schlimm, Menschen so trauern zu sehen. Manche Bilder haben sich regelrecht eingefroren in mein Gedächtnis, wie das des weinenden Vaters vor seines Sohnes offener Grabstelle, oder der untröstliche Blick seiner Mutter. Andererseits habe ich so viel Zuneigung für so viele Menschen gespürt und war so stolz auf die Jungs auf ihrem schweren Weg, wie schon lange nicht mehr.
Der Horror vor seinem Grab zu stehen und das Unglaubliche glauben zu müssen, wich einem Gefühl der Ruhe, des Friedens, nun da er angekommen ist. Abschied nehmen zu müssen von diesem mir so wichtigen Menschen, war schwer. So unglaublich schwer. Dennoch war es auch eine Wiederkehr. Er ist bei uns, er ist wieder zuhause.
Die vielen schönen Gesten, die tröstenden Worte, die Gespräche und Umarmungen, diese riesige Woge voller menschlicher Wärme und Halt, all das sorgte für schöne Gefühle, von denen einige schon etwas verschüttet lagen. So widersprüchlich es klingen mag, aber ein jeder von uns hat dies genossen – wenngleich wir jeden anderen Anlass bevorzugt hätten.
Meine Gedanken sind bei Thorstens Familie. Ihr Verlust wird jetzt, wo der erste Sturm sich gelegt hat, erst richtig greifbar. Bei
Thinkabout habe ich einen wunderschönen Text gefunden, der – wie ich finde – irgendwie auch zu Thorsten sehr gut passt.
Auf zum befreiten Flug.
Jetzt sind wir wieder back on tracks, es muss schließlich weitergehen.
Kategorien: Tod · what is life for?
Der Blick in die Zeitung und die Gewissheit ist endgültig. Kein dummer Scherz, kein Albtraum. Schwarz auf weiß Buchstaben, die das formulieren sollen, was gar nicht zu formulieren ist. Unmöglich in Worte zu fassen, wie viel Schmerz in uns ist. Wir haben selbst noch nicht begriffen, was wir da verloren haben. Wer ihn nicht kannte, kann das alles nur zu einem erbärmlich kleinen Teil verstehen.
Ich breche mit meinen kleinen Gewohnheiten, die Dinge werden egal – trinke täglich aus der niemals endenden Flasche voller Traurigkeit, ansonsten funktioniere ich nur – relativ emotionslos. Ablenkung hilft, aber sie hilft nur bis zum Eintreten der Stille um mich herum. So oft wie ich in den letzten zwei Wochen geweint habe, weinte ich Jahre nicht mehr. Die Trauer nimmt mir die Luft zum atmen. Alt fühl’ ich mich, vollkommen leer.
Am Freitag werden wir ihn zu Grabe tragen. Kein gesprochenes Wort, kein Kranz, keine Geste wird das auszudrücken vermögen, was wir in diesen Momenten des Abschieds empfinden werden. Nur unsere Blicke, die traurige Leere in unseren Augen, wird der Welt erzählen können, was für ein wunderbarer Mensch verloren gegangen ist. Dieser Frühling hat keine Sonne mehr verdient.
Kategorien: Tod · inside