zechbauer

Der Fußgänger

5. Oktober 2007 · Kommentar schreiben

Der Fußgänger schreitet, er läuft nicht. Sein Gehen ist keiner Eile unterworfen. Zumindest so wie ich ihn begreife, ist er ein Lustwandler. Inmitten oder eben auch abseits der eiligen Masse nimmt er sich die Zeit für Reflexion, genießt den Blick auf die Details, nimmt mit allen Sinnen wahr.

Er hat kein direktes Ziel, und eben dies macht ihn frei in der Wahl seines Weges und frei in der Wahl seines Tempos. Kein vorher bestimmter Endpunkt, der eine bestimmte Wegstrecke erzwingt; kein Gerät, das ein Minimum an Geschwindigkeit notwendig macht. Der Fußgänger wandelt also in Freiheit – der Freiheit über die Zeit, genauso wie der Freiheit über den Raum. Ein freier Mensch.

Sein Gang, so losgelöst vom strammen Marsch, so frei sind seine Gedanken. Mal an Nichts denken – auch das ist Freiheit -, mal über die Dinge nachdenkend oder sich in Tagträumereien ergebend. Er allein entscheidet. Frei in seinen Gedanken.

Der Fußgänger ist auch ein Beobachter. Er schaut hin, lässt die Eindrücke auf sich wirken, übersieht nichts, was er nicht übersehen will.
Seine Sinne sind geschärft, durch nichts vernebelt. Er fühlt Stein, Sand und Asphalt unter seinen Füßen. Er sieht die Farben der Welt, riecht ihre Gerüche. Nichts trübt seine Aufmerksamkeit. Frei ist er, mit allen Sinnen. Ein Müßiggänger.

Frei. In aufgelöster Zeit; im Meer der Freiheit aller denkbaren Gedanken.

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