Als Kind in Ametlla de Mar - damals ein kaum bekanntes, und schon gar nicht touristisch erschlossenes Fischerdorf - war mein Lieblingsplatz der Hafen.
Alte, faltige Männer, mit strohigem Haar, dunklen Augen und brauner gegerbter Haut, knüpften geschickt und geduldig ihre Fischernetze für die Nacht oder den nächsten Morgen. Überall der Geruch von Dieselöl, Fisch und Seewasser, vermischt mit dem lauen Wind der spanischen Südküste. Unter meinen Füßen, die von der Abendsonne gewärmte Mole, vor mir die schaukelnden Boote und Fischkutter im trüben, öligen Hafenwasser. Wenn diese Boote Geschichten erzählen könnten, man würde ihnen Stunden lang zuhören wollen. Verschwiegen schaukeln sie stolz, eines neben dem anderen. Man sieht nur an ihren Narben - dem abblätternden Lack, den Spuren von Stößen und den Kratzern von Fels - wie lange sie bereits ihren Dienst leisten.Die meisten dieser Boote haben Jahrzehnte überstanden, Stürme überwunden und Flauten ertragen. Nichts davon hat sie zerstört. Auch die prallsten Netze und besten Fänge haben nichts verändert - sie sind immer die gleichen knarrenden Kameraden der Fischer, pflichtbewusst und stur. Angst kennen sie längst nicht mehr. Alles Scheitern, jeder Sieg, ist nicht von Dauer - nichts passiert, nichts davon ist für die Ewigkeit, außer ein paar Narben auf der hölzernen Haut. Hoffentlich werde auch ich gleichmütig wie diese Boote meine Last tragen, meine Stürme durchfahren und meine Flauten überdauern. Meine Siege sollen wie die Siege dieser Boote sein: Schweigend und mit Stolz getragen, ihrer Vergänglichkeit angepasst.